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BionX - ein Pedelec Pionier mit Zukunft

Die wechselhafte Geschichte der Pedelec Pioniere aus Kanada. Erinnerungen und Beobachtungen von Hannes Neupert (1. Vors. ExtraEnergy e.V.).
 

 
Es war gegen Ende der 90er Jahre als ich das erste mal auf der CABDA Messe in Chicago einen kleinen Stand entdeckte. Die CABDA war damals eine der wichtigsten Fahrradmessen in Nordamerika.

In 2015 wird sie nach langjähriger Pause wieder stattfinden. An diesem kleinen Stand stellte mir Jean-Yves Dubé, der Gründer einer mir damals noch unbekannten Firma EPS aus Canada, einen Nabendirektantrieb vor. Dieser Kanadier Jean-Yves Dubé mit seinem liebenswürdigen französischen Akzent kam aus dem kleinen Ort Asbestos. Er hatte sehr viel Erfahrung mit Nabendirektantrieben gesammelt, da in der Nähe des Ortes große Mienen sind, in denen Asbest abgebaut wurde. Der Asbest wurde mit großen LKWs abtransportiert. Die Lkws wurden mit elektrischen Nabenmotoren angetrieben, so wie dies auch heute noch in allen großen Minenbetrieben der Welt üblich ist. Jean-Yves Dubé hatte viele Jahre die Wartung und Reparatur dieser Elektro-Großantriebe vorgenommen und sich überlegt, dass man nach dem gleichen Prinzip auch Fahrradantriebe bauen könnte. Die Überlegung setzte er in die Tat um und brachte den Fahrradantrieb unter dem Markennahmen „AmiGo“ seiner Firma EPS (Energy and Propulsion Systems) auf den Markt.

>> Firma EPS (flickr)

Die wichtigsten BionX Qualitäten gab es schon ab Stunde Null
Schon die erste Generation der BionX Antriebe in den 90er Jahren hatte die grundlegenden Eigenschaften des heutigen Antriebes:

  • gute Kraftsensorik, basierend auf einem DMS Streifens auf der Hinterradachse
  • weiche und doch kraftvolle Unterstützung, die sehr angenehm zu fahren ist
  • Lautlosigkeit des Antriebes aufgrund des getriebelosen Direktantriebes
  • Nachrüstbarkeit für fast alle Fahrräder mit Kettenschaltung einfach möglich
  • Es war möglich, Energie zurückzugewinnen. Zum einen beim Bremsen und zum anderen im Rekuperationsmodus, der es ermöglichte, auch im Flachen steile Berganstiege zu simulieren und so für die Sportenthusiasten die Trainingsfahrt mit dem Familienausflug zu kombinieren.
Es begann mit Nachrüstsätzen
Die ersten Jahre wurde der Antrieb fast ausschließlich in Kanada als Nachrüstsatz verkauft. EPS leistete in Kanada Pionierarbeit beim Aufbau des lokalen Marktes. Es gab damals noch keine nennenswerten Wettbewerber auf diesem Markt. Aufgrund der Situation, dass EPS nur Nachrüstsätze angeboten hat, konnte man die damalige Situation im Markt so zusammenfassen:

Größer 90% der Kunden fuhren auf Nachrüstsätzen basierende Pedelecs. Oft bauten die Händler die Nachrüstsätze schon in die Fahrräder ein, die sich die Kunden herausgesucht hatten und verkauften dann ein komplettes Pedelec an die Kunden. Heute hat sich die Situation in Kanada stark verändert, da auch hier viele Pedelecs ab Werk angeboten werden, was es für die Kunden und Händler einfacher macht. Anfang der 2000er Jahre wurde EPS dann auch immer mehr außerhalb des Heimatmarktes bekannt. Auch ExtraEnergy bekam frühe Versionen des EPS Antriebes. Allerdings gab es noch kaum Vertriebspartner in Europa. Es begann mit einzelnen Händlern in Europa, die Antriebe in kleinen Chargen orderten und auch mit Direktverkäufen, bei denen Endkunden direkt in Kanada über Onlinehändler bestellten.

BionX bei ExtraEnergy im Test
Vor knapp über 10 Jahren durfte ExtraEnergy das erste Mal einen EPS Antrieb testen und Pedelecs mit EPS Antrieb auf dem Parcours auf der IFMA und EUROBIKE präsentieren. Zu dieser Zeit wurde auch der neue Name BionX eingeführt, der bis heute das Markenbild prägt.

BionX liefert an europäische Fahrradhersteller
Vor rund 10 Jahren änderte sich nicht nur der Markenname, sondern auch die Eigentümerschaft. Der Firmengründer Jean-Yves Dubé gab Anteile an Pascal Larose ab, der bis Ende 2014 maßgeblich die Weiterentwicklung zur Großserie mit seinem Hintergrund der Automobilentwicklung vorantrieb. Auch entscheidend für den Erfolg war Robert Guimond, der 2004 bis 2006 bei BionX die Marktentwicklung beschleunigte. Ich machte ihm bei den relevanten Fahrradherstellern in Europa Termine, darunter auch die meisten der Kunden, die später mit BionX groß wurden. Nur um ein paar zu nennen: Riese & Müller, KTM, Derby Cycle,… Interessant war überall, dass man der Meinung war, dass die eigenen Kunden eher nicht zur Pedelec Fahrer Fraktion gehören. Da waren sich auch Markus Riese und Heiko Müller ganz sicher, trotzdem war der Besuch im noch sehr winterlichen Frühjahr 2006 bei Riese & Müller nicht erfolglos, denn der Produktmanager Peter Horsch, der Interesse an einem Nachrüstsatz zeigte, baute ihn flugs in ein Fahrrad ein. Damit hatte nicht nur er selber sehr viel Spaß auf seinem Arbeitsweg. Nach und nach fuhren immer mehr seiner Arbeitskollegen/innen wie auch seine Chefs mit diesem Rad. Wie das immer so bei Pedelecs ist, niemand ist sicher vor der magischen Faszination, die das Pedelec fahren mit sich bringt. So wurden schließlich doch die ersten Pedelecs bei Riese und Müller ins Programm genommen. Im ExtraEnergy Test 2008 wurden dann die ersten Pedelec Produkte, das r-m Birdy hybrid und das r-m Jetstream hybrid, getestet. Heute bietet r-m nur noch das legendäre Birdy als normales Fahrrad an. Alle anderen Produkte sind Pedelecs. Dank der Pedelecs nahm der Absatz dramatisch zu. Also musste die Firma umziehen. Ein klassischer Fall von Fehleinschätzung der Kundenwünsche… Aber kein Einzelfall, sondern in der Geschichte des Pedelecs der Normalfall. Heute ist r-m im Pedelec Geschäft exklusiv mit Antrieben von Bosch unterwegs und hat BionX den Rücken gekehrt.
 

EPS BionX wird Teil des Magna Konzerns
Des Weiteren arrangierte ich anlässlich eines Treffens bei BMW in München, welches ich mit Pascal Larose hatte, einen Kontakt zu Werner Schiller, der damals für Manfred Gingl von Magna Marque arbeitete und sich in der Elektrofahrradbranche nach interessanten Technologien umsehen sollte. Aus diesem ersten Kontakt ergab es sich, dass Magna Marque 2008 EPS mehrheitlich übernahm. Damit wurde aus dem kleinen kanadischen Startup ein Teil des international tätigen Autozulieferers Magna. Werner Schiller ist heute Sales & Marketing Director BionX International und leitet die Aktivitäten im Hauptmarkt in Europa. Die Verkäufe von BionX schnellten Ende der 2000er Jahre stark nach oben. Der Ausbau des Händlernetzes, der Ersatzteilversorgung und der Handelsunterstützung kam mit der Marktentwicklung nicht nach. Die Fertigungsmethodik war von EPS immer unter dem Gesichtspunkt geringer Investments und relativ kleiner Serien gewählt worden. Nun wurden in kurzer Zeit aus wenigen 1.000 Stück im Jahr viele 10.000 Stück im Jahr. Eine Herausforderung, zusammen mit der Transformation einer kleinen Firma in eine Konzernstruktur.

>> Zwei Beispiele des BionX Erfolges (flickr)
 
Im Jahr 2009 startete Diamant eine Pedelec Produktlinie, die sich ausschließlich auf BionX Antriebe fokussierte. Aus wenigen Stück wurden auch bei Diamant schnell große erfolgreiche Serien, die die Produktion in Hartmannsdorf bei Chemnitz schnell dominierten. 2009 bis 2013 waren Pedelecs von Diamant mit dem BionX Antrieb mehrfach mit sehr guten Werten beim ExtraEnergy Test dabei. Die Antriebe waren generell immer zuverlässig bei der Arbeit, hatten allerdings auch immer die gleichen Gründe, wenn sie mal den Dienst verweigerten. Die Kunden lernten schnell:
  1. Wenn man den Akku länger nicht aufgeladen hat, fing er gelegentlich an zu piepsen, um an die Eigentümerpflicht, ihn immer wieder zu laden, zu erinnern. Ignorierte man dies, machte er das, was dann viele Elektrofahrrad Akkus machen - er verabschiedete sich.
  2. Wenn man beim Transport des Rades mal den Lenker quergestellt und an ein paar unüblichen Stellen das Fahrrad hochgehoben hatte, ging manchmal der Antrieb nicht mehr, obwohl am Display angezeigt wurde, dass die Batterie voll ist. Hier hatte sich meist der Stecker des Stromkabels an der Hinterbaustrebe so weit gelockert und unter dem Neoprenschutz versteckt so weit auseinandergezogen, dass kein Strom mehr transportiert wurde.
  3. Bei Rädern, die aus einem Nachrüstsatz aufgebaut wurden, kam noch folgende Fehlerquelle hinzu: Es konnte leicht passieren, dass das Kabel mit dem Magnetsensor,  welcher bei manchen Modellen in einer Schaumgummihalterung am Bremsgriff befestigt war, seine Position geändert hatte und der Antrieb dann fälschlicherweise der Meinung war, dass der Nutzer gerade bremste und daher den Motor ausgeschaltet hat. Fehler waren für die erfahrenen BionX Benutzer also innerhalb von Sekunden behoben. Für die, die es erst noch lernen mussten, konnte es schon mal einen Urlaubstag gehörig vermiesen.
>> Das erste Pedelec Trekkingbike im Markt von KTM (flickr)

Innovationsfalle
Der scheinbare Fortschritt bereitet Probleme: 2011 und 2012 kam es beim Umstieg von 36 V auf die 48 V Technik bei BionX zu vielen Ausfällen bei den Batterien. Dies hatte unterschiedliche Gründe, letztlich hatte das Phänomen immer zur Folge, dass das Pedelec elektrisch keinen Mucks mehr machte. Diese fehlerhaften Serien zerstörten das bis dahin gute Image von BionX in nur zwei Jahren. Viele der zunächst begeisterten Händler und Kunden schimpften nun über BionX. BionX war schnell gewachsen und auch mit dem Bearbeiten der massenhaften Ausfälle überfordert, dies zur vollsten Zufriedenheit der Kunden umsetzen zu können. Wie meist im Leben gab es aber auch hier mehrere Beteiligte, denn sowohl die Händler als auch die Hersteller, die mit dem BionX System zu tun hatten, waren noch nicht wirklich firm in der Technik und erwarteten nun, dass BionX alle Probleme alleine löste.

Die treuen Kunden Diamant, Riese und Müller und KTM orientierten sich schnell um und verbauen heute fast ausschließlich Bosch Pedelec Antriebe.

Zurückblickend frage ich mich, was ist hier falsch gelaufen? Ich sehe hier zum einen die hohe Bereitschaft von BionX, Kundenwünschen zu entsprechen, also den Wünschen von Fahrradherstellern nachzukommen. Etwas, das zuvor Panasonic nie gemacht hat. Wenn sich ein Hersteller etwas gewünscht hat, was das Standard-Antriebssystem nicht konnte, wurde beteuert, dass man sich damit beschäftigen werden und daran arbeiten würde. Doch leider noch keine Versprechungen zum Lieferzeitpunkt machen könne - also die japanische Form des höflichen Neinsagens. Was haben sich die Fahrradhersteller so alles gewünscht? Zum einen wollte  jeder etwas exklusiv haben - es sollte ja ein echtes Diamant, r-m, BMW, Smart, Grace, etc. sein. Die Folge davon waren schnell rund 15 verschiedene Gehäuseformen und rund 30 verschiedene Batterieversionen. Die Entwicklungskosten dafür wurden meist unterschätzt. Noch mehr unterschätzt wurde jedoch der Fakt, dass man alle diese Versionen ja eines Tages als Ersatzteil bereithalten muss, und dies zu einer Zeit, in der die damals verbauten Zellen schon längst vom Hersteller gegen „bessere“ getauscht wurden. Das bedeutet also, dass die vielen, vielen Packs ständig neu qualifiziert und diese Kosten am Ende an den Endkunden durchgereicht werden müssen. BionX hatte damals eine im Vergleich zu Wettbewerbern große Entwicklungsmannschaft und war in der Lage, Kundenwünsche schnell als fahrfähige Prototypen aufzubauen und diese dann oft schon binnen Wochen beim Kunden zu präsentieren. Das Problem dabei war aber, dass die Kunden nun erwarteten, dass dies schon in der nächsten Lieferung so umgesetzt werden würde. Seriös wäre aber gewesen, hier erst ausführliche Tests mit Vorserienmustern durchzuführen und Neuentwicklungen erst nach einer ausführlichen Qualifikation in den Verkauf zu bringen. Ein Fehler, der auch heute noch beständig von neuen Anbietern im Markt gemacht wird.

Das Pedelec komplexer als üblich eingeschätzt
Auch unterschätzt wurde, dass sich nahezu alle Beteiligten (Endkunden, Fahrzeughersteller und Händler) mit dem Thema Pedelec nur sehr oberflächlich auskennen und dazu neigen, zu glauben, dies sei ganz einfach. Fakt ist aber: Pedelecs sind wirklich komplexe Wesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass hier etwas schief geht, ist vor allem bei einem Antriebssystem, welches aus so vielen über Kabel verbundenen Einzelkomponenten besteht, recht hoch. Viele Händler und Hersteller waren auch verwöhnt, weil sie zuvor nur das Panasonic Antriebssystem verbaut hatten, welches tatsächlich extrem ausfallsicher ist, was auch daran liegt, dass abgesehen vom Lenker-Bedienfeld und dem Ladegerät alle anderen Komponenten in einer Einheit verbunden sind und somit Störeinflüsse weitgehend ausgeschlossen wurden. Zudem gab es bis damals nur alle 5 Jahre technische Veränderungen und es wurde auch immer nur eine Baureihe hergestellt. Seit sich Panasonic heute aufgrund des Drucks des Marktes auch auf so viele Extrawünsche der Kunden eingelassen hat, ist es mit der sagenhaften Zuverlässigkeit nicht mehr so gut wie einst. Kundenwünsche zu erfüllen, geht in geschlossenen Systemen immer nur mit sehr, sehr hohem Aufwand in der Entwicklung und vor allem in der Validierung. Jede zusätzliche Version muss dann auch bei zukünftigen Softwareupdates auf Interoperabilität geprüft werden. Wenn man jetzt am Beispiel von BionX überlegt: Es gibt 7 Motorversionen mit ein paar mehr Gehäusevarianten, dann sehr vielen Batterieversionen, verschiedene Kabelbaumvarianten, mehrere Ladegeräte-Typen und verschiedene Lenker-Bedienelemente... Hier gibt es am Ende sehr viele unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten. Jetzt kommt noch hinzu, dass einzelne Hersteller auch noch selber Kabelbaumversionen modifiziert und Batterien von anderen Lieferanten eingesetzt haben. Das hat beispielsweise dazu geführt, dass bei einem namhaften deutschen Pedelec Hersteller ganze Serien von Fahrzeugen nach einem Softwareupdate nicht mehr zu aktivieren waren, weil das BionX System eine unbekannte Konfiguration erkannt und aus Sicherheitsgründen die Fahrzeuge deaktiviert hat.

Nur mit wirklich standardisierten Schnittstellen, die die Kommunikation und den Stromfluss beschreiben, lassen sich alle Kundenwünsche realisieren.

Nur dann wird es möglich, beliebig viele Kombinationen zu realisieren, ohne alle im einzelnen testen und validieren zu müssen. Wenn dann eine Komponente nicht funktioniert, ist der Fehler bei genau dieser Komponente zu suchen. Doch dies ist das Prinzip des EnergyBus, welches leider von den meisten Herstellern in seinem Potential noch nicht voll verstanden wird. Aber es ist der einzige Weg, nahezu alle Kundenwünsche, die der Markt hervorgebracht hat und noch hervorbringen wird, erfüllen zu können.

Besuch bei BionX im November 2012
Im November 2012 hatte ich die Möglichkeit, zusammen mit BionX Händlern aus dem deutschsprachigen Raum nach Kanada zu reisen, um mir sowohl ein Bild von der Firmenzentrale, der Produktion und dem Entwicklungszentrum machen zu können.

>> Besuch bei BionX 2012 (flickr)

Die Produktion im Werk in Aurora ist vergleichbar mit vielen anderen Produktionslinien für hochkomplexe Bauteile, die in Serien kleiner 1 Millionen pro Jahr hergestellt werden. Die Montagebänder sind auf wenig Raum in rund ein dutzend Steharbeitsplätze aufgeteilt, in denen jeweils ein dezidierter Montage- und Prüfschritt durchgeführt wird. Die Produktion erfolgt in Handarbeit, auch wenn bei fast jedem Arbeitsschritt auch automatisierte Prozesse zum Einsatz kommen. Doch aufgrund der Vielzahl an Varianten ist eine Automatisierung für diese Produkte noch nicht sinnvoll. Es gibt auch Montageplätze, in denen aus Halbzeugen Baugruppen erstellt werden, die dann im Hauptmontageprozess mit eingebaut werden. Am Ende des Prozesses werden die Bauteile nach der abschließenden Prüfung und Aufnahme der Seriennummern in die zentrale Produktdatenbank von BionX verpackt und zu den Kunden, die meist in Europa sind, verschickt.

>> Hinterradachse BionX Nabenmotor (flickr)

>> Teilautomatisierte Arbeitsplätze (flickr)

>> IGH Motor Serie (flickr)

>> Batteriepacks in Aurora (flickr)

>> Frontnabenmotor von BionX (flickr)

>> BionX SeaScape (flickr)

>> Retrofahrzeug (flickr)

>> Tafel Kilometerstände BionX Mitarbeiter (flickr)
 
Entwicklungszentrum in Sherbrooke
Bei meinem Besuch im Entwicklungszentrum in Sherbrooke beeindruckte mich vor allem das damals noch recht neue Datenbanksystem, welches BionX aus der negativen Erfahrung im Kundendialog heraus entwickelt hatte. Damals war es schon bei den meisten ausgelieferten Systemen eingeführt worden. Heute ist es bei allen Komponenten in Benutzung und in seiner Art meines Wissens nach das beste System am Markt.

Die analoge Welt der Garantieabwicklung und des Kundendienstes
Status quo der analogen Welt vor Einführung dieses Systems bei BionX und Stand der Technik heute immer noch bei den meisten Pedelec Komponentenanbietern ist:
  • Die Komponenten werden hergestellt und an die Kunden ausgeliefert
  • Der Komponentenhersteller hat in der Regel keine Informationen, ob seine Komponenten schon verbaut, an den Handel ausgeliefert oder bereits verkauft wurden und die Garantie des Endkunden schon begonnen hat.
  • In der Regel weiß der Komponentenhersteller am Ende nicht einmal in welchem Land die Komponenten am Ende verkauft wurden. In einem sehr internationalen Herstellermarkt ist dies heute oft kaum noch zu steuern.
  • Der Komponentenhersteller erfuhr in der Regel erst wieder von den Komponenten, wenn ein Kunde einen Garantieanspruch anmeldete . In diesem Fall musste dann erst aufwendig recherchiert und belegt werden, was  zwischen Auslieferung und Garantieanspruch vorgefallen ist und ob die Garantiebedingungen auch erfüllt wurden. In der Regel führte dies zu langen Bearbeitungszeiten und oft auch Zeit- und kostenaufwendigem Einsenden der Bauteile, um in einem Servicezentrum den Garantieanspruch verifizieren zu können. In den Jahren 2010 und 2011, als BionX mehrere 10.000 Batterien im Umlauf hatte, die aufgrund des Serienfehlers getauscht wurden, war dies natürlich sowohl logistisch als auch vom Arbeitspensum her nur mit langen Wartezeiten möglich.
Stand Heute bei BionX - kompletter Spiegel aller ausgelieferten Komponenten auf BionX-Server
BionX hatte sich nach dem großen Batterietausch 2010 und 2011, der das Unternehmen seine bis dahin sehr gute Reputation im Markt gekostet hat und in der Abwicklung viele Millionen Euro verschlang, die Installation eines Systems zum Ziel gesetzt, welches solch einen generell nicht zu 100% zu verhindernden Serienfehler in seinen Folgen für die Kunden und das Unternehmen abmildern wird.

Die wichtigsten Vorüberlegungen zu diesem System waren:

A)        BionX sollte über alle Komponenten, die das Werk verlassen haben, zu jeder Zeit einen aktuellen Status haben. Also beispielsweise im Lager von Fahrzeughersteller XY noch nicht montiert, an Fahrzeug Typ XYZ montiert und in den Handel gegeben, an Kunde Lieschen Müller an Tag XY verkauft - Garantie läuft. Sollte nun ein Serienfehler bekannt werden, kann BionX automatisch den betroffenen Hersteller, den betroffenen Händler und den betroffenen Kunden direkt informieren und ebenfalls automatisch die notwendigen Ersatzteile auf den Weg zum Händler bringen, dass dieser diese beim Endkunden austauschen kann.

B)        Es sollen in keinem Fall defekte Teile zurück ans Werk oder einen lokalen Servicestützpunkt geschickt werden müssen. Teile werden über eine Internetverbindung automatisch geprüft und im Idealfall auch darüber wieder repariert. Wenn es nicht möglich ist, diese auf diese Weise wieder gangbar zu machen, werden die Komponenten komplett deaktiviert und umgehend ein passendes Ersatzteil auf den Weg zum Händler geschickt. Der Händler entsorgt die defekte Komponente lokal, oder setzt sie wieder in Stand. So werden Aufwand beim Händler sowie Kosten und Transportressourcen für den unnötigen Rücktransport an das Werk gespart.

C)        Der Kunde bekommt für die Freigabe seiner Identität beim Kauf im Gegenzug, ein zusätzliches Jahr Garantie geschenkt. Es bleibt ihm frei, anonym zu bleiben, muss dann jedoch im Garantiefall nachweisen, dass er der Eigentümer ist. Haben Händler und Kunde ihre Daten beim Kauf korrekt eingegeben, ist es nicht notwendig, einen Kaufnachweis zu erbringen, da diese Informationen BionX bereits vorliegen.

Von der Funktionsweise konnte ich mich selber im November 2012  überzeugen. So konnte mir ein Mitarbeiter bei BionX im kanadischen Sherbrooke zeigen, dass gerade im Werk von MIFA in Sangerhausen Smart Pedelecs montiert wurden und zeigen, welche und wie viele Systeme im Werk an diesem Tag fertiggestellt wurden. Es war auch sichtbar, in welchen Radgrößen die Motoren verbaut wurden und ob es sich um ein Pedelec 25 oder ein Pedelec 45 handelte. Auch wenn ein Händler einen Umbau vornahm, musste er sich dafür über das Computersystem eine Freigabe holen. Dadurch war auf einmal ganz einfach nachzuvollziehen, wer welche Änderungen durchgeführt hat. All diese Informationen ermöglichen im Fehlerfall die Beurteilung, ob gegen die Garantiebedingungen verstoßen wurde oder nicht.

>> BionX Service Prinzip (flickr)

>> Analyse defekter Komponente (flickr)

>> Statusreport (flickr)

>> Kundenfreundliche Lösung von BionX (flickr)


>> Thema Nachrüstung (flickr)

BionX von vielen Händlern totgesagt aber trotzdem noch da
In Händlerumfragen ist BionX aktuell immer ganz hinten, wenn es um die Servicezufriedenheit geht. Ich gehe davon aus, dass dies vor allem daran liegt, dass die meisten Händler ihre negativen Erinnerungen an die Katastrophenjahre 2010 und 2011 einbringen, allerdings seitdem keinen BionX Service mehr machen und daher auch nicht wissen, dass es heute dank BIB und BBI und Fernwartung so unverschämt viel leichter geht. Leichter und vor allem schneller als bei fast allen anderen Anbietern im Markt. Dies war auch ein Thema beim ExtraEnergy Expertenkreis, der sich im Januar 2015 in Tanna traf. Dort wurde auch über die Bewertung der Zuverlässigkeit diskutiert. Am Ende konnte aber nur zusammengefasst werden, dass die Bewertung von Veränderungen der Zuverlässigkeit und Servicefreundlichkeit leider immer nur mit einigen Jahren Zeitverzögerung vorgenommen werden kann.

Da aktuell nur sehr wenige Fahrradhersteller BionX Antriebssysteme verbauen, läuft bei BionX aktuell wieder ein Großteil der Verkäufe über das Thema Nachrüsten. Hier ist der Antrieb von BionX immer noch einer der sichereren, weil er am wenigsten in das Fahrrad eingreift und nur für mehr Schub sorgt. Anders als bei nachträglich angebauten Frontmotoren oder Mittelmotoren. Trotzdem ist das Thema Nachrüstung mit Vorsicht zu genießen, da nicht jedes Fahrrad für eine Nachrüstung geeignet und die Beurteilung, ob oder ob nicht, auch für Fahrradexperten keine leichte ist.

Dieser Artikel wurde im ExtraEnergy Magazin Nr. 11 veröffentlicht, das als kostenfreier Download zur Verfügung steht.

>> zum Magazin Nr. 11

Text: Hannes Neupert

Bild: BionX International Corporation

Datum: 12. Mai 2015

 
 

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