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EU-Führerscheinnovelle: Risiken und Chancen

Die 3. EU-Führerschein-Harmonisierungs-Novelle klopft an deutsche Türen. Sie muss bis 2013 in nationales Rechts transformiert werden. Dabei hat die Bundesregierung einen gewissen Spielraum. Fraglich ist, ob sie diesen auch im Sinne der Zweiradbranche nutzen will. Auch Elektrozweiräder sind betroffen.
 

 
Ein Interview von Volker Heckmann mit dem Hauptgeschäftsführer des Industrie Verbandes Motorrad (IVM e.V.), Reiner Brendicke, bringt Licht ins Dunkel:

Bietet die 3. Novelle zur Harmonisierung des Fahrerlaubnisrechts zur nationalen Umsetzung mehr Chancen, oder mehr Risiken für die deutsche Zweiradbranche?
Reiner Brendicke: Grundsätzlich kann die 3. Novelle ebenso Chance wie Risiko darstellen. Positiv zum Beispiel ist der Wegfall der 80 km/h-Begrenzung für 16- und 17-jährige Leichtkraftradfahrer, die Leistungsauf-
stockung beim Einsteigermotorrad A2 auf nunmehr 35 kW sowie die Tatsache, dass beim gestuften Zugang zum motorisierten Zweirad die Theorieprüfung beginnend mit dem 125er-Führerschein A1 nur einmal abgelegt werden muss. Negativ hingegen bewertet der Industrie-Verband Motorrad die Tatsache, dass die bereits 1993 in Deutschland abgeschaffte Aufstiegs-
prüfung vom limitierten auf den offenen Motorradführer-
schein über die Novelle wieder eingeführt wird. Hier ist entweder eine Prüfung oder eine mindestens siebenstündige Schulung vorgesehen. Der IVM wird sich intensiv in die Diskussion um diese Fragestellung einbringen und eine ausgewogene Lösung im Sinne des Endverbrauchers anstreben. Negativ ist in der Novelle darüber hinaus die Tatsache, dass die Möglichkeit zur Heraufsetzung der Einstiegsaltersgrenzen zumindest theoretisch besteht. In Deutschland ist hier keine Änderung im negativen Sinne zu erwarten, in den Niederlanden oder Dänemark zum Beispiel wird diese Diskussion jedoch sicher geführt.

Was tut der IVM, wenn die Bundesregierung z.B. harmonisierend anstrebt, den kleinsten Führer-
schein (50 ccm und 45 km/h) nicht mehr in den Pkw-Führerschein automatisch zu integrieren? Andererseits, wie könnte die Bundesregierung durch Harmonisierung der EU-Vorgaben den AM noch attraktiver machen und den Mofabereich entschärfen?

Reiner Brendicke: Für den IVM und sicher auch die betroffenen Bevölkerungskreise wäre es mehr als kontraproduktiv, wenn die bisher bestehende Einschlussregelung des AM-Führerscheins in die PKW-Lizenz nicht beibehalten würde. Hier werden wir alles daran setzen, um den Status Quo beizubehalten. Darüber hinaus strebt der IVM ein neues Einstiegsalter für die Klasse AM an. Die eher unbeliebte und in der alltäglichen Verkehrspraxis durchaus kritische Kategorie der 25 km/h Mofas soll zu Gunsten einer auf 15 reduzierten Altersgrenze des AM-Führerscheins abgeschafft werden. Es ist allseits bekannt, dass der frühere Einstieg in den motorisierten Straßenverkehr mit einem Fahrzeug, das mitschwimmen kann, sinnvolle Möglichkeiten für die Verkehrsteilnahme bietet.

Harmonisch Spielraum nutzen

Schon heute fährt so mancher Rollerinteressent auch deswegen Quad, weil der Pkw-Führerschein für jedes ausreicht. Wer aber zur Zeit größere Roller oder kleine Motorräder fahren will, muss entweder das Glück der frühen Geburt inklusive Führerschein-
erwerb vor dem 01.04.1980 nachweisen. Oder er muss die Fahrprüfung bestehen, um eine 125 ´er mit max. 80 km/h fahren zu dürfen. Durch die Novelle könnte nun sogar der Führerscheinzugang mit 16 Jahren heraufgesetzt werden. Unsere Regierenden könnten aber auch die Chance beim Schopfe packen und endlich die empfundene Ungleichbehandlung abschaffen und in Zeiten des Klimawandels und knapper Geldbeutel Zweitwagen- oder Zusatz-
alternativen Tore öffnen? Wann ist es endlich soweit?

Reiner Brendicke: Die 3. europäische Führerschein-
novelle sieht die 125 ccm Klasse A1 als festen Bestandteil und fordert die entsprechende Einführung in den Ländern. Offen bleibt hierbei jedoch, ob und wie die Nationalstaaten den Einschluss in die PKW-Fahrerlaub-
nis regeln. Im direkten Vergleich zu Italien, Frankreich, Belgien und Spanien die hier liberale Lösungen realisiert haben, fordert der IVM für Deutschland eine Ausweitung von der existierenden Einschlussregelung vor dem 01.04.1980 und eine Öffnung zum Beispiel gemäß dem Modell in Österreich, wo fünf Jahre PKW-Führerschein-
besitz und sechs Fahrstunden den Weg für PKW-
Führerscheininhaber hin zum motorisierten Zweirad öffnen. Nur so ist der Wunsch nach bezahlbarer Mobilität gerade vor dem Hintergrund steigender Benzinpreise auch in größeren Bevölkerungskreisen umsetzbar. Der IVM wird diese Forderung intensiv formulieren.

Erwartet der IVM, dass sich in den unteren, mittleren und großen Hubraumklassen die Marktanteile und die Top-Ten Zulassungsstatistiken durch die Umsetzung der 3. Führerscheinnovelle verändern/verschieben?

Reiner Brendicke: Die 3. Führerscheinnovelle kann in der Tat Auswirkungen auf das Modellangebot sowie den Kundenzuspruch haben. Die Einsteigerklasse A2 mit 35 kW wird sicher zu einer entsprechend attraktiven Modellpalette bei den Herstellern und Importeuren führen. Aus Perspektive des IVM wird jedoch Deutsch-
land nach wie vor das „Big Bike Land“ bleiben, da gerade in der Bundesrepublik auch im internationalen Vergleich die meisten großvolumigen und leistungs-
starken Fahrzeuge bewegt werden. Abzuwarten bleibt der Erfolg des Direkteinstieges, dessen Altersgrenze im Rahmen der EU-Novellierung von 25 Jahren in Deutschland auf 24 Jahre sinken wird.

Wird es Änderungen im kleinstmotorisierten Bereich geben, also auch unterhalb 45 km/h im Mofabereich und im Bereich der Elektrofahrräder? Wird die Helmpflicht in dem Bereich diskutiert?
Reiner Brendicke: Über Elektrofahrräder haben wir mit dem Verkehrsministerium nicht gesprochen. Allerdings erwarten wir hierzu auch keine Änderungen. Die Mofa-Klasse wird sicherlich intensiv diskutiert werden. Wir erwarten hinsichtlich der Helmfragen keine Änderungen der gesetzlichen Lage, zumal der § 21 StVO erst vor kurzem neu formuliert worden ist.

Wie schätzen Sie die Entwicklung bei den Padelecs, den E-Bikes und bei den E-Rollern ein?
Reiner Brendicke: Beim Elektrofahrrad dient der Antrieb generell nur zur Unterstützung. Mit stetiger Verbes-
serung der Reichweite und Verbesserungen der Technik von Elektroantrieben erhöht sich natürlich auch die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit dieser Fahrzeuge. Die Zukunft von Elektroantrieben hängt direkt mit der entsprechenden Ladekapazität zusammen. Hierbei meinen wir nicht nur die erwähnte Reichweite sondern auch die Zeit, die der Akku für die Wiederaufladung braucht.

Herr Brendicke, vielen Dank für die Einschätzungen, Informationen und das IVM-Engagement in der Führerscheinfrage.

Die Fragen stellte: vhpress, Volker Heckmann


Reiner Brendicke
Das Bild oben zeigt Reiner Brendicke,  Hauptgeschäftsführer des in Essen ansässigen Industrie Verbandes Motorrad (IVM). Herr Brendicke kümmert sich, nicht nur aus Herstellersicht, auch um Branchenfragen Eines seiner Steckenpferde ist seit langem die in Deutschland reformbedürftige Führer-
scheinregelung, die aufgrund der 3. Führerschein-
novelle nun endlich auf dem Prüfstand steht. Als ehemaliger Leiter des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz), das heute im gleichen Gebäude residiert wie der IVM, kennt er die Problembereiche im Bereich Zweiradsicherheit, die z.B. durch die 80 km/h Begrenzung bei den 125 ´ern oder den Mofaführerschein bis 25 km/h entsteht, genau. Der Einfluss des IVM gibt Anlass zur Hoffnung, dass zumindest einige der unseligen aktuellen Regelungen schon bald verbessert werden, also vor dem Fristende im Jahr 2013. Denn erst dann muss die Bundesregierung mit der Transformation des neuen EU-Rechts in nationales Recht fertig geworden sein. Die denkbaren Änderungen durch die Bundesregierung bergen für die Zweiradbranche und motorisierte Zweiradfahrer Risiken und Chancen.



25. April 2008

 
 

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