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A2B: Konzept mit Zukunft

Norbert Haller, Leiter der Designabteilung bei Ultra Motor, beschäftig sich seit über 10 Jahren mit neuen Mobilitätskonzepten. Das A2B der Londoner Firma ist das neuste Beispiel seines individuellen, minimalistischen Stils. Im Interview mit ExtraEnergy beschreibt Herr Haller aus der Sicht eines Designers worauf es bei der Fahrzeugentwicklung ankommt.
 

 
EE: Herr Haller, was muss die Industrie tun, um Elektrofahrzeugen einen individuellen Platz im Markt zu verschaffen, um auch in Zukunft die Nachfrage zu sichern? Was ist ihrer Meinung nach ein erfolgsversprechendes Konzept?

NH: Um ein attraktives Elektrorad zu gestalten reicht es nicht aus, einen Motor an ein Fahrrad zu montieren. Das wissen wir alle. Einen Benzinantrieb durch einen Elektroantrieb zu ersetzen funktioniert auch nicht, denn an Preis und Leistung eines Motorrades oder Rollers kommt ein elektrisches System nur schwer heran. Was wir brauchen sind neue Konzepte. Das Ultra Motor A2B ist ein Ansatz, eine neue Fahrzeuggeneration zu schaffen, die irgendwo zwischen Fahrrad und Motorroller angesiedelt ist und versucht, den heutigen Marktanforderungen gerecht zu werden. Meiner Meinung nach müssen Fahrzeuge heute urbane Mobilität neu definieren, cool aussehen, Spaß machen und gleichzeitig praktisch sein. Mit anderen Worten: die Fahrzeuge von morgen müssen umweltfreundlich sein, technisch überzeugen und neue Trends in Punkto Lifestyle setzen.

EE: Überall wo das A2B vorgestellt wurde, sorgte es für Begeisterung. Was macht seinen individuellen Stil aus?

NH: Das A2B sieht sehr modern aus. Dafür ist die Rahmenkonstruktion im Zusammenspiel mit den Materialien Aluminium und Leder, die Oberflächenbehandlung und die Auswahl an Qualitätskomponenten verantwortlich. Um eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen, haben wir einen futuristischen Race-Look vermieden. Das A2B hat eine aufrechte Sitzposition und fährt sich eher gelassen. Es war uns besonders wichtig, das Antriebssystem vollständig in die Gesamtgestaltung des Fahrzeugs zu integrieren und dem A2B eine eigene Designsprache zu geben.

EE: Was sind die Vokabeln dieser Designsprache?


NH: Reduziert, konsequent und aufrichtig. Mit „reduziert“ meine ich: Das Design unterstreicht die eigentliche Funktion des Fahrzeugs. Die Konstruktion an sich ist schon das Design. Keine Plastikverkleidung, denn damit sieht ein Fahrzeug schnell nach Spielzeug aus. „Konsequent“ bezieht sich auf die Formgebung: Klare Linien statt Schnörkel oder andere Verzierungen, die sich nicht dem geradlinigen Stil unterordnen. Alle Modelle des A2B weisen eine durchgängige Gestaltungslinie auf. So erkennt man ein A2B auch ohne Schriftzug gleich an seiner Formsprache. Die Kabel sind weitestgehend versteckt, so dass das A2B einen „aufgeräumten“ Eindruck macht. „Aufrichtig“ sagt aus: Das das Fahrzeug zeigt was es ist. Man sieht Fertigungsspuren im Metall des Aluminiumrahmens, man sieht die Schweißnähte. In dieser Simplizität kommt Kraft zum Ausdruck. Dabei wirkt das A2B nicht unbedingt schnell, aber elegant, solide und authentisch.

EE: Sie sind selbst begeisterter Radfahrer. Wie spiegelt sich Ihr eigener Lebensstil im Design des A2B?

NH: Großer Federweg und vergleichsweise kleine 20" Laufräder schaffen eine imaginäre Verbindung zum Mountainbike, BMX, oder Motorcross Rad. Ich bin früher Rennen gefahren. Das A2B hat sozusagen etwas aus meiner BMX und Downhillzeit „geerbt“. Außerdem habe ich eine Leidenschaft für die klassischen Motorräder der 30er Jahre, wie z.B. die alten Indians, Harleys und Vespa Roller. Die aufrechte Sitzposition, die offen präsentierte Technik und die kunstvollen Details der alten Maschinen haben nicht nur die Ergonomie des A2B beeinflusst sondern auch unsere Aufmerksamkeit für kleine Details gesteigert wie zum Beispiel den ins Sitzleder eingravierten Schriftzug.

EE: Sie haben nicht nur selber hohe Ansprüche an Design und Leistung des A2B gestellt sondern Ultra Motor hat diese auch in der Öffentlichkeit herausgestellt. Wie stellen Sie sicher, dass das Fahrzeug diesen Erwartungen gerecht wird?

NH: Ein bequemer Sattel in Kombination mit der üppigen Vollfederung bieten einen hohen Komfort beim Fahren. Die 3 Zoll breiten Reifen sorgen für ein sicheres Fahrgefühl. Die Alltagstauglichkeit wird mit einer Reihe von Accessoires wie Taschen und Körbe noch verbessert, die Ultra Motor im A2B-Stil passend zum Fahrzeug entwickelt hat und die im Frühjahr auf den Markt kommen sollen. Obwohl das A2B dem Fahrrad optisch sehr ähnlich ist, fährt es sich eher wie ein Roller, und ist dabei wesentlich leichter als herkömmliche Scooter. Hochwertige Lithium-Ionen Batterien im Hauptrohr des Rahmens ermöglichen eine Reichweite von etwa 50 Kilometern. Eine zusätzliche Batterie kann der Fahrer in die spezielle Halterung am Gepäckträger einhängen und so seine Reichweite deutlich verlängern.

Das A2B Konzept ist auf viele unterschiedliche Modelle anwendbar. Wir sprechen also nicht nur von einem Fahrzeug sondern von einer ganzen Fahrzeug-Familie. Dank des modularen Aufbaus können wir mit nur einer Rahmenkonstruktion verschiedene Fahrzeuge fertigen und diese an unterschiedliche Marktbedürfnisse und Gesetze anpassen. Das A2B kann beispielsweise ein Pedelec sein, ein E-Bike, ein schnelles Pedelec, ein Off-Road Fahrzeug oder ein Roller. Der große Vorteil dieser modularen Konstruktion ist, dass die Produktionskosten für unterschiedliche Modelle wesentlich geringer sind und auch die Entwicklungszeiten reduziert werden können. Für die Kunden bedeutet das: eine größere Modellauswahl an Qualitätsprodukten zu einem geringeren Preis.

EE: Was sind die größten Herausforderungen bei der Entwicklung eines solchen Fahrzeugkonzepts?

NH
: Das Schwierigste dabei ist, den besten Kompromiss aus perfektem Design, moderner Technik, größtmöglicher Leistung und geringem Preis unter den Anforderungen einer bestimmten Fahrzeugkategorie zu finden. Die Fahrzeugkategorie hat alleine schon vom gesetzlichen Standpunkt erhebliche Folgen auf die Komponentenauswahl und die Ausrichtung auf bestimmte Zielgruppen. Das Design soll letztendlich die entsprechenden Zielgruppen ansprechen, die Leistung präsentieren und die Technik so integrieren, dass das Ganze wirkt wie aus einem Guss. Eine große Herausforderung, die für alle LEVs gilt, ist große Leistung auf der Straße aber geringes Gewicht auf die Waage zu bringen. Wir können uns dabei nicht am Preisniveau und den Leistungsdaten von Benzinfahrzeugen orientieren, sondern müssen eigene Spezifikationen definieren. Ein großer Teil der Entwicklungsarbeit besteht auch darin, existierende Teile aufzutreiben und meistens zu modifizieren, so dass sie zu Funktion, Stil, und Preisvorgaben passen und dabei den jeweiligen Gesetzen entsprechen.

EE: Wie lange hat die Entwicklung des A2B gedauert?

NH: Ich habe seit Jahren an einem solchen modularen Fahrzeugaufbau gearbeitet. Mit jedem Projekt, das ich gemacht habe, bin ich ein Stück weiter gekommen. Bei Ultra Motor begannen wir 2007 mit der Entwicklung des A2B. Daran war - und ist - ein großes, multikulturelles Team beteiligt, das seine Standorte in den USA, in England, Deutschland und Taiwan hat. Im September 2008 brachten wir die US-Version auf den amerikanischen Markt. Eine an die Europäischen Gesetze angepasste Version - das A2B Metro EU - und ein Pedelec haben wir auf der Eurobike 2009 vorgestellt. Diese Modelle werden dann ab Frühjahr 2010 in Deutschland angeboten. Jetzt arbeiten wir an neuen A2B-Modellen.

EE: Glauben Sie, die Leute sind bereit, auf neue Mobilität umzusteigen?

NH: Ja, ich denke die Verbraucher sind offen für neue Antriebstechnologien, besonders wenn sie keine oder wenig Schadstoffe erzeugen. Die positive Resonanz auf das A2B hat mir gezeigt, dass die Leute sich für etwas Neues, Andersartiges begeistern können. Neue Fahrzeugkonzepte und eine entsprechende Infrastruktur sehe ich als den Schlüssel, die neuen Marktpotentiale auszuschöpfen.

EE: Wie hat sich das Designverständnis der Menschen verändert?

NH: Die Leute legen heute viel Wert auf Design. Mit dem iPod haben Lifestyle-Produkte inzwischen die Massen erreicht. „Stylish“ sein ist angesagt, während „jung“ sein, was (im Sinne von Alter) vielleicht mal gleichbedeutend war mit „cool“ oder „stylish“ gar nicht mehr so entscheidend ist. Viel wichtiger ist eine flexible, offene Haltung und die Bereitschaft, umzudenken - das was wir heute wohl als „junggeblieben“ bezeichnen. Zumindest gilt das für A2B Fahrer.
Letztendlich sind es ja die Kids von damals, als ich mit dem BMX-Fahren anfing, die heute die Trendsportarten anführen, in coolen Outfits rumlaufen und die Vorbilder der Kids von heute sind. Und genau die, die längst keine Teenager mehr sind, verbreiten nicht nur Lifestyle-Produkte, indem sie ihren Eltern Macs und iPods kaufen, sondern kreieren immer wieder neue Trends. Das Verständnis von gutem Design und Lifestyle hat heute alle Generationen erreicht.

EE: Fahren Sie selbst ein A2B?

NH: Ja! Ich finde es ist ein cooles Fahrzeug mit dem ich mich gerne identifiziere.


Zur Person
Norbert Haller studierte Industriedesign an der HDK in Berlin. Als gelernter Werkzeugmacher kannte er die Herausforderungen an eine umsetzbare Verschmelzung aus Form und Funktion bereits aus Herstellersicht und erweiterte sie an der Uni um die Perspektive und die Fertigkeiten eines Designers.

Mit seiner Diplomarbeit, einem Trio klassischer und futuristischer Pedelecs, galt ihm und seinen Studienkollegen und Arbeitspartnern Johannes Cremer und Heinz Redlich die Aufmerksamkeit der Eurobikebesucher 1997. Die Prototypen waren damals am Hawk-Stand ausgestellt und waren wegweisend für die Entwicklung der Elektrofahrräder, die damals noch ganz am Anfang stand.

Als Geschäftsführer des Berliner Design-Büros Craftsmen Cremer Haller GbR entwickelte Haller Fahrräder, Pedelecs, kleine Elektroroller und andere elektrische Leichtfahrzeuge für internationale Hersteller. Seit 2007 leitet der gebürtige Berliner die Designabteilung der Londoner Firma Ultra Motor.

Mehr zu Norbert Haller
Mehr zu Ultra Motor
 

Das Interview führte Susanne Brüsch
Foto: Susanne Brüsch

1. Februar 2010

 
 

Termine:

12. bis 15. September 2019, Birmingham, UK, The Cycle Show Birmingham

5. bis 10. November 2019, Mailand, Italien, EICMA

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