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Bochum: Modellstadt für E-Mobilität

„Bochum, ich häng an Dir“, so könnte ganz nach Sänger Herbert Grönemeyer, manches Elektrofahrzeug der Zukunft vor sich hinsummen. Und zwar per Ladekabel an Bochums neuem Netzwerk für elektrische Mobilität. Die auserwählte Modellregion Ruhrgebiet schickt sich also an, eine Modellstadt zu formen. So jedenfalls wollen es die Mitglieder des dazu gegründeten Bochumer Netzwerkes ruhrmobil-e.de. Die Mobilitätswoche im September ist der Auftakt.
 

 
Und die Chancen stehen gut, als Modellstadt voranzupreschen. Denn dem Netzwerk angeschlossen haben sich laut ruhrmobil-e Autohersteller und Zulieferunternehmen, Kfz-Betriebe, Hochschulinstitute, Politik, Netzbetreiber, kommunale Unternehmen, Dienstleistungsbetriebe, örtliche Behörden, Kammern und Gewerkschaften. Netzwerkstreffen, öffentliche Symposien und eine Internet-Plattform. Die Öffentlichkeitsarbeit und Erwachsenenbildung sowie die unabhängige Beratung von Unternehmen, Verbrauchern und Behörden, beim Kauf von Fahrzeugen, Betrieb, Unterhaltung und Wartung sowie die Weiterentwicklung der Ladeinfrastruktur im öffentlichen und privaten Bereich, hat man sich auf die Fahnen geschrieben.

Eine Menge Arbeit, dem Förderschwerpunkt Elektromobilität im Konjunkturpaket II der Bundesregierung Rechnung zu tragen. Denn das Ruhrgebiet gehört zu den acht Modell-Förderregionen, die das Thema E-Mobilität in allen Facetten voranbringen soll. Bochum selbst will ganz vorne mitmischen.

Ladekabel aus dem Fenster adé
Um ein Beispiel zu nennen: Die Ladeinfrastruktur im privaten Bereich wirft schnell Probleme auf, denn ein Kabel aus dem Fenster über den Bürgersteig, das kann die Lösung nicht sein. Deswegen hat sich dem Netzwerk eine Wohnungsbaugenossenschaft angeschlossen und ein Beispiel für die Lademöglichkeit für Mieter geschaffen. Die erste „Mieterstromtankstelle“ wurde in Bochum eröffnet, vier weitere sind in Planung.

Ziel: Mehr regenerative Energie
Dass Elektromobilität insbesondere mit regenerativer Energie Sinn macht, hat man in Bochum erkannt. Daher haben sich laut ruhrmobil-e die Stadtwerke, der Umwelt Service Bochum sowie die GLS Bank daran gemacht, zusätzliche regenerative Energiequellen für Bochum nutzbar zu machen. Ganz im Sinne der Bundesregierung, die die Koppelung von E-Mobilität und regenerativen Energien in ihrem nationalen Entwicklungsplan ausdrücklich wünscht.

Bochumer Demo-Days
Einen Einblick in die mobile Zukunft demonstrierten vom 01. bis 03. September 2009 direkt vor dem Bochumer Rathaus dann die Hersteller oder Vertriebspartner von Elektrofahrrädern, Padelecs, kleinen E-Rollern wie dem Tante Paula Roller, über kleine Fußgängerzonenflitzer, über den starken, autobahntauglichen Vectrix E-Roller bis hin zum E-Leichtauto und zwei E-Transportern. Die Stadtwerke stellten Stromtankstellen auf, um den Ladevorgang an Ladestationen zu demonstrieren, die an verschiedensten Stellen in der Stadt aufgestellt werden können. Gekrönt wurde das Ganze von vier Mitsubishi i-MiEV, die in Bochum Deutschlandpremiere feierten und einem Hybrid-Linienbus der Bogestra. Fehlen durfte natürlich nicht der Bo-Cruiser der Hochschule Bochum, der am ersten Tag der Demo-Days, im Stadtwerkegebäude, präsentiert wurde. Dessen Vorgänger hatte bereits beim Solar-Weltcup in Australien einen Preis gewonnen. Bochum ist in solarbetriebenen E-Mobilitätswelt dadurch bereits bekannt.

Öffentlicher Nahverkehr und Oberbürgermeisterin setzen auf Hybrid-Busse
Das Interesse an der Veranstaltung war groß, bestätigte der Hybridbeauftragte Thorsten Schulz von der Bogestra, dem Öffentlichen Nahverkehrsbetrieb der Region. „Viele Bürger kamen zuerst zum Bus“, freute er sich. Denn den Bus kennen die Menschen aus dem Alltag - und viele wollten um die neue Technik wissen. Denn die Bogestra ist bis heute der einzige Verwender eines solchen Fahrzeuges in NRW. Andere NRW-Verkehrsbetriebe haben damals wohl nicht nachgezogen, weil das Thema nicht gefördert wurde. Das wird sich ab 2010 ändern. Dann fördert der VRR (Verkehrsverband Rhein Ruhr) diese Technik, die offenbar funktioniert. „Seit wir den Bus im Jahre 2008 kauften, läuft die Hybridtechnik seit 90.000 km einwandfrei“, teilte Schulz mit. Der Bus, der wohl auch in Dresden und Leipzig eingesetzt wird, hat den Dieselmotor nicht hinten, wie die anderen Busse, sondern in der Mitte. Dort sitzen auch die beiden E-Motoren. „Wir kaufen im nächsten Jahr weitere drei Busse, die neuere Technik haben“, so der Hybridbeauftragte, der sagt, dass der Bus bei der zunehmend umweltbewussten Bevölkerung sehr gut ankommt. Denn er spart 14 % Kraftstoff gegenüber einem vergleichbaren herkömmlichen Bus. Zudem sind die Abgaswerte viel besser. Die Fahrer werden speziell geschult, da die Fahrtechnik etwas anders ist. Beim Bremsen werden die 300 kg schweren Akkus, die auf dem Dach des Busses liegen, geladen. Die Dosierung der Bremswirkung will geübt sein. Vor der Schulung verbrauchen die Busfahrer ca. 56 Liter, danach 50 Liter Diesel. Die Oberbürgermeisterin, im Vorstand der Bogestra, hat sich für das Projekt stark gemacht.

Initiatoren sehr zufrieden
Nach Aussagen von Kai Rüsberg, dem Initiator des Netzwerkes, war das Interesse durch alle Altersgruppen hindurch breit vertreten. Besonders am letzten Tag fiel auf, dass sich auch viele ältere Menschen für die Fahrzeuge interessieren. Denn die Fortbewegung im Alter, wenn beispielsweise das Autofahren kein Thema mehr ist, ist eine wesentliche Frage. Lebensqualität und auch soziale Kontaktmöglichkeiten hängen heutzutage insbesondere auch für ältere Menschen auch von der Mobilität ab. Viele probierten die kleinen Dreirädrigen Fahrzeuge aus, die ihre drei Räder sogar komplett quer stellen können und so eine enorme Wendigkeit erzeugen. Sogar Treppensteigen war bei dem ersten Fahrzeug per Sonderauftrag wohl möglich, ein russischer Millionär hatte dies so bestellt. Einkaufen wird somit einfacher.

Lady Gisela ist E-begeistert

Die 79-jährige Gisela M. aus B. trauerte 43 Jahre Autofahren nach, wollte nun aber unbedingt nach vorne sehen und den Tante Paula E-Roller testen. „Nein, ich will mich nur mal draufstellen“, witzelte sie anfangs. Dann ließ sie sich doch überreden, zusammen mit einem der hilfsbereiten Netzwerker ein paar Ründchen vor den Fenstern der gerade wiedergewählten Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD), die das Netzwerk wie auch die Landesregierung unterstützt, zu drehen. Freudestrahlend stieg Gisela M. ab. Das war Klasse. „Ist schön, aber für eine alte Lady?“ fragte sie rhetorisch. „Aber für 18-jährige junge Dinger ist das eine tolle Sache“, so ihre Einschätzung.

Senior steht auf Tante Paula
Tante Paula fand auch der 74 Jahre junge Willi Ewers Klasse und drehte gleich mal eine flotte Runde mit ihr, dem kleinen E-Roller mit Trittbrett, wie in Kinderzeiten. Und seine Frau hatte nichts dagegen, dass er sich mit Tante Paula aus dem Staub machte. Der 74-jährige Motorrollerfahrer auf die Frage, ob das was war: „Ja klar!“, meint er, „das reicht völlig aus“. Auch der Preis von ca. 1800,00 Euro sei in Ordnung. Schön sei es, dass man die Beine einfach zur Seite nehmen könne. Einen Helm bei so einem kleinen E-Fahrzeug aufsetzen, ja, auch das würde er. „Das mache ich beim Motorrollerfahren doch auch - und damals, als ich noch eine 1000´er Kawasaki hatte auch“, kommentierte er die Selbstverständlichkeit fast entrüstet. Abschließend meinte er noch: “Das ist mit Sicherheit die Zukunft“.

Diese Einschätzung teilten auch andere Bürger. Seine Frau Bärbel freute sich noch über den Umweltaspekt, den E-Roller haben: „Wer einmal in Florenz war, weiß, wie die Dinger stinken“, und meinte die benzinbetriebenen Zweitakt-Motorroller, die dort rumbrausen. Keine Abgase und kein Lärm, das seien Nebenwirkungen der Elektromobilität, über die man sich freuen könne.

Bochumer Politiker mischen mit
Politiker Martin Rockel (SPD) setzt sich ebenfalls in dem Netzwerk für die wohl gute Sache ein. Er freut sich über die breite Aufstellung des Netzwerkes, wodurch eine unkomplizierte Umsetzung der Ziele ermöglicht werde. „Wir planen ein Demoprojekt, in dem wir 25 Elektrofahrzeuge auf ihre Alltagstauglichkeit hin überprüfen. E-Tankstellen werden wird dazu integrieren“, so der Politiker. Ein Förderantrag über 2,1 Millionen Euro wurde gestellt. Dass dem stattgeben wird, ist zu vermuten. Sieht doch der Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität vor, dass bis 2020 immerhin eine Million der (bisher ca. 50 Millionen Autos) auf deutschen Straßen elektrisch betrieben werden sollen. Bundesumweltminister Siegmar Gabriel will zudem Kaufanreize für Elektroautos durchsetzen. Um den Bürgern das Thema näher zu bringen, war die Veranstaltung laut Martin Rockel ein schöner Erfolg. Vor allem das Interesse der Bürger sei überraschend gut. „Alle Altersgruppen waren durchweg vertreten, auch die Senioren zeigten auffällig viel Interesse“, so Rockel. Er meint, das sei verständlich, denn so würden die Senioren wieder mobiler. Auch Mitsubishi war überrascht über das Bochumer Interesse. So einen Zulauf habe man nicht überall. Die Testfahrten mit den vier Mitsubishi i-MiEV war ein Erfolg.

Bundesregierung: „Deutschland soll Leitmarkt für Elektromobilität werden“

500 Opel Ampera für Bochumer Netzwerker?
Interessant auch für General Motors (GM) ist noch die Absichtserklärung, dass Netzwerkmitglieder planen, die ersten 500 Opel Ampera zu kaufen. Dass die Region mit der Zukunftstechnik schnell vorankommen soll, beweist auch die Tatsache, dass hier in Bochum bereits Hochvoltmechatroniker ausgebildet werden, die die Fahrzeuge reparieren können. Denn 10 % der Technik bei den E-Fahrzeugen sei laut Martin Rockel quasi für herkömmliche Werkstätten neu. Opel findet das Bochumer Engagement in Sachen Bildung sehr gut. In Bochum wird zunehmend ganzheitlich gedacht. „Es muss die passende Infrastruktur vorhanden sein, auch Rettungsdienste usw. müssen sich auch mit der neuen Technik auskennen“, so der Politiker.

Firmen wollen E-Mobilität als neuen Markt nutzen
Ausbildung findet auch Geschäftsführer Thomas Struck wichtig. Denn er ist Geschäftsführer eines Gabelstapler-Vertriebes und verkauft alles, was einen E-Motor hat, von Tante Paula bis zum E-Kleinauto oder E-Kleintransporter. Sein Unternehmen repariert die Fahrzeuge und braucht entsprechend geschulte Mitarbeiter. Geplant sei laut Ruhrgebietszeitung WAZ zudem von einigen Netzwerkern, ein Elektrotransporter in Kleinserie zu bauen, dessen Fahrzeugbestandteile alle aus NRW kommen. Das Thema E-Mobiltät zieht auch andere Firmen magisch an. So z.B. die Firma Ruhrbotics aus Bochum, die sich mit Lösungen für die optimierte Produktion befasst. „Bei uns sind nicht nur produktionstechnische Aspekte und günstige Entwicklung Themen, sondern auch die Frage nach Lieferzeiten und Transportwegen. Wir optimieren Vorgänge und prüfen z.B., ob Fahrzeuge, die entwickelt werden, auch so nutzbar sind, wie vom Auftraggeber gewünscht“, so Geschäftsführer Bernd Ewalds. „Beispielsweise ist fraglich, ob der Umweltservice der Stadt die E-Transporter nutzbar machen kann. Wir erstellen zur Zeit einen Förderantrag, um diesen Fragen nachgehen zu können“, so der Unternehmensgründer. Firmen in Bochum freuen sich darauf, E-Mobilität in verschiedenster Form, zu produzieren oder mit zu gestalten. Die Hochschule Bochum hat seit 01. September 2009 den ersten Lehrstuhl für E-Mobilität geschaffen. Auch die Forscher der Ruhruniversität Bochum sind auf dem Gebiet aktiv. Passende Fachkräfte bietet die Region sowieso.

E-Roller Vectrix mitten in der Metropole Ruhr

Alexander Luig präsentierte den autobahntauglichen E-Roller Vectrix vor dem Rathaus Bochum. Der benannte Abteilungsdirektor der Firma ESD hat die Ladetechnik für den Vectrix konstruiert. Er findet es schade, dass Vectrix in Amerika insolvent ist und die Produktion in Polen betroffen ist. Die Vectrix Deutschland GmbH stellt aber den Vertrieb und Ersatzteilversorgung sowie Reparaturservice in Deutschland weiter sicher. Investoren zeigen sich sehr interessiert. Denn das Fahrzeug kommt in der Bevölkerung sehr gut an. Gilt er doch als das Premium-Zugpferd im Bereich Elektroroller schlechthin. Und wer einmal damit gefahren ist weiß, E-Biking macht Spaß. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel verglich den Roller auf der EU-Umweltministerkonferenz 2007 in Essen mit einer Nähmaschine. Ein Fahrzeug für Vordenker, dem wie vielen anderen, eine große Zukunft bevorstehen könnte.

Summa summarum kann gesagt werden, dass Bochum zwar in letzter Zeit viele Schicksalsschläge hinnehmen musste, denkt man z.B. an Nokia oder nun das Debakel um Opel, von dem auch der eigentlich erfolgreiche Opelstandort Bochum betroffen ist. Aber wenn es hier schon die beste Currywurst gibt, warum dann nicht auch bald die beste Modellstadt für E-Mobilität?

Text und Foto: Volker Heckmann, vhpress.de

23. September 2009

 
 

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