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Energieautarkes Pedelec

Oder: Was ist wirklich ökologisch nachhaltig? Pedelecs leisten eine drastische Reduktion des Energieverbrauchs, der zur Energiewende nötig ist.
 

 
Der Begriff der »Nachhaltigkeit« stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft, doch wird er mittlerweile fast inflationär gebraucht und ist so in vielerlei Hinsicht verwaschen geworden. Im Gegensatz zur zunehmend beliebigen Bedeutung von »Nachhaltigkeit« hat die Vision »Energieautarkie« in den letzten Jahren an Attraktivität und an Akzeptanz gewonnen. Pedelecs können in individuellen oder kommunalen Autarkiekonzepten ein wesentlicher Mobilitätsbaustein sein. Doch Achtung, nachhaltige Energie ist grundsätzlich nur erneuerbare Energie und auch hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Die schleichende Aufweichung des an für sich intuitiv gut erfaßbaren Begriffes der Nachhaltigkeit wurde schon vom verstorbenen deutschen Spitzenpolitiker und Energieexperten Hermann Scheer exzellent beschrieben. Wo immer in diversen »Nachhaltigkeitsberichten« von Unternehmen und Institutionen mit »Nachhaltigkeit« und »nachhaltig« hantiert wird, sollte man also sorgfältig abwägen, wovon die Rede ist. Braucht es aber eine wissenschaftliche Definition oder hat nicht eigentlich jeder einen Begriff, was nachhaltig ist?

Nachhaltig sind Aktivitäten, die über in menschlichen Dimensionen extrem lange Zeiträume aufrechterhalten werden können, ohne die Bedürfnisse nachfolgender Generationen einzuschränken. Nachhaltig im Energiebereich ist dann grundsätzlich nur erneuerbare Energie und hier auch nur jene Form, deren Produktionsweise tatsächlich langfristig aufrechterhalten werden kann. Für viele Arten der aktuellen Bioenergieproduktionsweisen war und ist dies nicht der Fall.

Ist die Verbreitung von Pedelecs ein Beitrag zur Nachhaltigkeit?
Die Frage der nachhaltigen Energieproduktion ist weder eine spezielle Frage der Pedelecs noch des Transportsektors sondern eine Grundsatzfrage. Hermann Scheer bezeichnet die sogenannte »Energiewende«, also die Wende hin zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien (100%), als die größte menschliche Kulturleistung seit der industriellen Revolution. Zahlreiche technische Optionen bestehen, Nutzenergie aus erneuerbarer Energie je nach lokalen Verfügbarkeiten bereitzustellen. Mit Ausnahme der Geothermie geht die gesamte erneuerbare Energie jedoch direkt oder indirekt immer auf die Sonnenenergie zurück. Damit ist in Zukunft das Problem der Erzeugung erneuerbarer Energie einerseits ein Technologieproblem (wie effizient kann Sonnenenergie bzw. ihre indirekten Formen wie Wind, Wasser und Biomasse möglichst verlustarm in Nutzenergie umgewandelt werden) und andererseits ein Flächenproblem (wie viel Fläche benötigen wir, um die erforderlichen Energiedienstleistungen über Sonnenenergie zu erfüllen).

Welche Energieträger innerhalb der erneuerbaren Energien auch immer gewählt werden, der Energieverbrauch muss drastisch reduziert werden, damit eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien möglich ist.

Genau diese drastische Verbrauchsreduktion aber leisten Pedelecs im Vergleich mit Verbrennungsmotoren. Legt man 15.000 Jahreskilometer zugrunde, die pro Haushalt mit einem Auto zurückgelegt werden, und nimmt man an, dass davon 2.000 km mit einem Pedelec zurückgelegt würden, so bedeutete dies grob eine Einsparung von mindestens 20×49=980 Kilowattstunden an Endenergie pro Auto und Jahr.

Die Hauptursache für die positive Bilanz aus Sicht des Pedelecs, die ebenso auch für den Parameter CO2-Emis- sionen-je-km im Vergleich mit dem Auto gilt, ist der triviale Umstand, dass es sich beim Pedelec um ein Fahrrad handelt, das nur geringfügig motorverstärkt ist. Es kommt hinzu, daß ein Elektromotor einen weitaus höheren Wirkungsgrad als ein Verbrennungsmotor aufweist.

Auch geringer Energieverbrauch braucht nachhaltige Quellen
Das Pedelec braucht nur geringe Mengen an Energie, doch um wirklich nachhaltig unterwegs zu sein, muss sichergestellt sein, dass diese aus nachhaltigen, das
heißt erneuerbaren Quellen gewonnen wird.

Das einfachste ist, einen Stromliefervertrag mit einem Anbieter abzuschließen, der ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energiequellen bezieht. Dies hat jedoch nur dann den erwünschten Effekt, wenn das Pedelec auch tatsächlich an jenem Zählpunkt aufgeladen wird, für den der Stromliefervertrag abgeschlossen wurde, z. B. in der Privatwohnung oder -haus oder im Firmengebäude des Arbeitsplatzes.

Zwischen dem sogenannten »Ökostromanbieter« sollte wiederum genau unterschieden werden: Bietet das Unternehmen tatsächlich allen Kunden ausschließlich 100 % Ökostrom an oder werden Unterschiede gemacht, zum Beispiel zwischen Industriekunden, zu denen fossil erzeugter Strom verschoben wird, und Privatkunden, denen erneuerbarer Strom verkauft wird.

Man sollte Stromanbieter wählen, die ausschließlich Ökostrom und diesen an alle Kunden verkaufen. In Österreich gibt es eine entsprechende Website www.e- control.at. der staatlichen Regulierungsbehörde, auf der der Strommix in Österreich zugelassener Stromhändler veröffentlicht wird. Für Deutschland ist eine der- artige Übersicht nicht bekannt, allerdings geben die meisten Stromunternehmen ihren Mix auf ihrer Web- site an. Diese Angabe ist gemäß einer EU-Richtlinie verpflichtend (1).

Wie Öko ist Ökostrom?
Aber ist Ökostrom auch wirklich immer Strom aus erneuerbaren Energien? Grundsätzlich kann im heutigen
Verbundsystem und mit heutigen Erzeugungs- und Speicherkapazitäten nicht in jedem Moment gewährleistet werden, dass der gerade verbrauchte Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien stammt. Zertifiziert gewährleistet werden muss für reinen »Ökostrom«, dass die von einem Stromanbieter über das gesamte Jahr als Ökostrom gelieferte Strommenge in ebensolcher Höhe von Kraftwerken bezogen wurde, die Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen. Diese Tatsache wird von zugelassenen Zertifizierungsfirmen wie z. B. TÜV, Bureau Veritas u. a. in regelmäßigen Abständen streng überwacht. Dabei werden z.B. Einkauflieferverträge des Händlers mit Verkaufsverträgen abgeglichen und die Erzeuger ebenfalls kontrolliert. Mit anderen Worten – stiegen alle Stromkunden auf Ökostrom um, könnte insgesamt kein fossil erzeugter Strom mehr verkauft werden.

Jährlicher Energieverbrauch eines Pedelecs
Aus realen Testfahrten, die der Verein ExtraEnergy jährlich durchführt, ergibt sich für ein durchschnittliches Pedelec ein gemittelter Stromverbrauch von 1 kWh pro 100 km. Um das zu verdeutlichen: In einem elektrischen Wasserkocher braucht man in etwa ein Zehntel einer kWh, um 1 l Wasser zum Kochen zu bringen. Eine Glühbirne mit 100 W Leistung, die 10 Stunden eingeschaltet ist, benötigt 1 kWh Strom.
Ein Auto mit Verbrennungsmotor hingegen verbraucht heute in etwa 5 l Treibstoff pro 100 km, und das ist bereits ein sehr günstiger Fall. 1l Treibstoff enthält in etwa 10 kWh an Energie, so dass mindestens 50 kWh pro 100 km erforderlich sind.

Führen Pedelecs tatsächlich zu weniger Autokilometern?
Dazu wurden bereits einige Feldversuche durchgeführt, so zum Beispiel in der Schweiz(2) und in Österreich(3). Insgesamt haben die Versuche gezeigt, dass zwischen ca. 20 % und 50 % aller durch ein Pedelec ersetzten Fahrten andernfalls Fahrten mit dem Auto gewesen wären. In absoluten Zahlen ergaben sich aus dem Schweizer und dem größeren der beiden österreichischen Versuche ca. 800 km, die pro Jahr mit dem Pedelec zurückgelegt werden. Hinzugefügt werden muss, dass durch ein Pedelec ebenfalls Fahrradfahrten sowie
– wenngleich zu einem geringen Teil – Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr ersetzt werden.

Das Einsparungspotenzial von Pedelecs ist somit nicht nur aufgrund seiner eigenen geringen Emissionen enorm, sondern auch durch seine positiven Rückwirkungen.

Vorbildlich: Bestrebungen zu Kopplung der Nutzung eines Pedelecs mit der Nutzung von Strom aus erneuerbarer Energie
In Österreich wurde (Stand 2011) für Unternehmen
eine staatliche Förderung für den Ankauf von Dienstpedelecs gewährt, sofern das Unternehmen nachweislich Ökostrom bezog.

n der tschechischen Republik bestand bis Ende 2011 eine Kooperation zwischen dem Pedelec-Händler ekolo und dem Ökostromhändler Nano. Beim Kauf eines Pedelecs bei ekolo und einem Strombezugsvertrag bei Nano gewährte Nano dem Kunden eine Gutschrift in der durchschnittlichen Höhe des Wertes des Jahresstromverbrauches (10.000 km) eines Pedelecs (19.59 € bzw. 500 CZK).

Der österreichische Einzelhändler Elektrobiker deklariert auf seiner Website, nur Ökostrom zu verwenden! Wie lange jemand, der durch eine Förderung oder eine Gutschrift dazu bewegt wurde, Ökostrom zu beziehen, auch dabei bleibt, ist offen. Strombezugsverträge können üblicherweise spätestens nach einem Jahr gekündigt werden.

>> Pedelecdaten zu Energie und Nachhaltigkeit

Quellen
➢  Buwal Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft. Elektro-Zweiräder, Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten, Umwelt-Materialien Nr. 173, Luft, 2004.

➢  Thomas Drage & Robert Pressl. Pedelec-test (in Andritz) in the context of European Union project Active Access. Downloadbar unter www.active-access.eu

➢  Europäische Kommission. Richtlinie 2003/54/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2003 über gemeinsame Vorschriften für den Elektrizitätsbin nenmarkt & zur Aufhebung der Richtlinie 96/92/EG. 2003.

➢  Kairos. Landrad, Neue Mobilität für den Alltagsverkehr in Vorarlberg (Endbericht). 2010, Bericht über ein Projekt, in dem 500 Pedelecs getestet wurden inkl. einer Nutzerbefragung.

➢  Thomas Lewis, Christiane Edegger & Ernst Schriefl. Pedelecs und Renewable Energy, 2011. Downloadbar unter www.gopedelec.eu

➢  Hermann Scheer. Energieautonomie – Eine neue Politik für erneuerbare Energien. Kunstmann, 2005.

➢  Hermann Scheer & Carl Amery. Klimawechsel – Von der fossilen zur solaren Kultur. Kunstmann, 2001.

(1) Europäische Kommission [2003]

(2) BUWAL Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft [2004]

(3) Kairos[2010],Drage und Pressl

Text: Thomas Lewis, erarbeitet im Rahmen des GoPedec! Projekts der EU: Go Pedelec! Handbuch

Illustration: Moritz Grünke

Datum: 20. November 2012

 

 

 
 

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