Pedelec und E-Bike Test
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Sound als Kundenwunscherfüllungsfaktor

Die Lebenswelt im urbanen Raum attraktiver gestalten. Vom 12. bis 13. Mai 2015 lud das Innovationsforum Sound & Sicherheit in die Hellerauer Werkstätten nach Dresden ein. Sounddesign fürs Pedelec.
 

 
Rund 100 Prüfingenieure, Vertreter der Fahrradindustrie, Produkt-Sounddesigner, Marktforscher, Film-, Sound- und Postproduktionsexperten sowie Musiker und Soundkünstler trafen sich am 12. und 13. Mai 2015 in den Hellerauer Werkstätten in Dresden. Dr. Friedrich Blutner, Olaf Mierau und Dr. Thomas Risch initiierten in Kooperation mit dem BMBF das Innovationsforume Sound & Sicherheit:

>> www. innoforume-save.de

Wer sich mit Elektrofahrzeugen beschäftigt, denkt über viele Fragen nach: Wie weit, wie schnell, wie lange, wo kann man Strom tanken, wie ist das mit den Ladezeiten. Ganz sicher steht indes der Klang des Fahrzeugs nicht im Fokus des Interesses. So ergeht es auch den Pedelecs. Elektrofahrzeuge seien schließlich stumm, sie machten überhaupt keine Geräusche und das ist auch gut so, denn die Welt sei ohnehin zu laut - so die landläufige Meinung. Nun sollen Pedelecs etwa auch noch krank machen?

Still ist nicht lautlos
In der Eröffnungspräsentation wurde den zunächst skeptischen Teilnehmern schnell klar, dass auch Fahrräder und Pedelecs klingen und sehr wohl Geräusche erzeugen. Klappernde Schutzbleche oder ächzende Motoren, die im heutigen Verkehrslärm der Verbrennungsmotoren noch untergehenen. Daraus ergeben sich nicht nur Unfallgefahren, sondern die Fahrzeuge werden schlicht nicht identifiziert und deren Geschwindigkeiten oder gar Marken erkannt.

Die Lebenswelt im urbanen Raum attraktiver gestalten
In seinem engagierten Eröffnungsbeitrag wies Hans-Peter Hiepe vom BMBF auf die neue Epoche der urbanen Klangwelten hin. "Durch die beginnende Endzeit der Verbrennungsmotoren, den nahenden Lärmkollaps der Ballungsräume sowie der immer stärkeren Sensibilität diesem Thema gegenüber befinden wir uns an der Schwelle einer Neuordnung der uns umgebenden Geräusche", so Hiepe. Diese Entwicklung dürfe nicht verschlafen werden, neue Markenpotentiale seien durch Forschung und Entwicklung zu entdecken.

Wie klingt die Stimme eines Pedelecs?
Dr. sc. techn. Friedrich E. Blutner (GF Synotec Psychoinformatik GmbH) hat bereits den Sound von Bierflaschen, Würsten, Lippenstiften, Automobilen, Waschmaschinen und vielen weiteren Gegenständen unseres Alltags revolutionär optimiert. Er ist der Pionier des deutschen Produkt-Sounddesigns, einem Arbeitsgebiet, das allerdings meist hinter verschlossenen Türen stattfindet und deshalb zwar wenig bekannt, aber überall wahrgenommen wird.

Anhand plakativer Beispiele verdeutlichte er das enorme Potential, das in der Fahrradmobilität steckt. "Inzwischen befinden wir uns in einem Paradigmenwechsel zu einer multikulturellen Kultur. Die  Stimme ist beim Einsatz von Elektrofahrzeugen enorm wichtig. Produkt-Sounddesign heißt nicht, lauter harmonischer und damit angenehmer machen", so Dr. Blutner. Die E-Mobilität eröffne dazu gigantische Möglichkeiten.

"Das Produktdesign von Pedelecs hat die Akustik noch nicht entdeckt. Die vielfältigen Möglichkeiten, neu entwickelte Produkt-Sounddesigns über den CAN-Bus in Fahrzeuge zu integrieren, existiert bereits. Es müssen also keine Lautsprecher zum Einsatz kommen, sondern die Fahrzeuge `erzeugen` den Klang selbst." Dies bewiesen am zweiten Tag Dr. Thomas Risch vom Institut für Fördertechnik und Kunststoffe der TU Chemnitz und Dr. Ivo Cermak, CGC Instruments Chemnitz, an Pedelecs sehr eindrucksvoll.

"Unser finales Ziel ist, die Lebenswelt im urbanen Raum attraktiver zu gestalten - die Umwelt also bewusst und aktiv zu orchestrieren, statt passiv beschallt zu werden."

Sound als Kundenwunscherfüllungsfaktor
Hannes Neupert (1. Vors. ExtraEnergy e.V.) verdeutlichte die Wichtigkeit des Kundenwunscherfüllungsfaktors beim Pedelec. Ein Faktor, den ExtraEnergy bereits seit 2009 bei der Bewertung für Pedelecs und E-Bikes einsetzt. „Wir brauchen Produkte, die die vorhandenen Kundenwünsche erfüllen. Hier vor Ort haben wir Kompetenzen aus Wirtschaft, Forschung und Entwicklung versammelt, um aufzuzeigen, welche Möglichkeiten in der Entwicklung der Pedelecs steckt. Der Pedelec Markt hat noch nicht begonnen. Wir sind erst ganz am Anfang von dem, was da noch kommt.“

Mit Sound Harmonie gestalten
"So kann Einsamkeit klingen", flüsterte Olaf Mierau (Postproduction-Soundsupervisor, postperfect vision & sound, Berlin) ins Mikrofon zu einer mit der Wellenfeldsynthese wiedergegebenen Soundpräsentation. "Wissen Sie, warum das nach Urlaub klingt?"

Eine Geräuschkulisse von Meer, Strand und spielenden Kindern ertönt. "Es sind die Kinder. Ohne das Geräusch spielender Kinder fühlt es sich gleich viel kühler an. Bewegen wir uns in der Stadt, sind die Ohren ständig in Verteidigungshaltung. Das ist der urbane Alltag. Mit Umwelt-Sounddesign kann Harmonie gestaltet werden. Nicht echte Stille sondern Wohlklang ist das Ziel."

Mirau arbeitet seit vielen Jahren mit Dr. Blutner in einer Kooperation zwischen Produkt- und Film-Sounddesign zusammen. Heute geht es nicht nur um die Entwicklung einzelner Produktsounds, sondern um deren Interaktion im öffentlichen Raum (Schwarmsounds). "Mit den Mitteln des Filmsounddesigns können einerseits komplexe Zielsoundszenarien vorproduziert und zum Beispiel über die Wellenfeldsynthese authentisch wiedergegeben werden", so Mierau. Nicht zuletzt brächten auch die Erfahrungen aus der Welt des Films über die emotionale Wirkung von Klängen neue Aspekte in der Arbeit der Ingenieure.

Wie klingt eine Stadt in der Zukunft?
Eines der Highlights der Impulsvorträge war die Wellenfeldsynthese, über die René Rodigast (Head of Professional Audio, Fraunhofer IDMT) informierte. "Die Wellenfeldsynthese ist eine objektbasierte Audioproduktion. Eine Therorie, die benötigt wird, um die Stadt der Zukunft akustisch nachzubauen."
Eindrucksvoll erlebten die Teilnehmer des Forums zukünftige Sounds im dreidimensionalen Raum. Ein Erlebnis, das den Blick in die Zukunft des Fahrrads im Verkehr ermöglichen soll. 



Was ist ein authentischer Klang?
Manfred Bornmann (www.meinstellenwert.de) verdeutlichte unbewusste Angstreaktionen auf unbekannte Klänge. "Das Klangereignis Elektrorad ist etwas Neues, wir können es nicht einordnen. Reaktion ist grundsätzlich erst einmal eine Abwehrhaltung. Eine sogenannte Reichweitenangst funktioniert wie ein Gerücht. Alles Positive verbreitet sich schlecht, alles Negative hingegen schlagartig. Das heißt, unserem Rad mit E-Antrieb wollen wir eine positive Stimme verleihen.
Das Rad soll mit seiner eigenen Stimme sprechen. Dabei tragen bestimmte schwingende Flächen den Sound nach außen. So wird der Klang, abhängig von der Radstruktur, authentisch."

Emotion und Interaktion
Erwin Stache und Henry Schneider (www.Stelzenfestspiele.de) zeigten in einer Kunstaktion im Innenhof der Hellerauer Werkstätten anhand der mit Soundgeneratoren versehenen Testsieger des letzten ExtraEnergy Tests, wie es sich anfühlt, wenn sich Fahrräder nicht mit üblichen Störgeräuschen wie beispielsweise schepperndem Schutzblech oder Kettengeräuschen ankündigen. Stattdessen kündigte sich ein kleiner Schwarm von Pedelecs mit Glockenspiel, Regenschauer-Sound und anderen für Fahrräder unüblichen Sounds an.
Diese Kunstaktion ließ erahnen, wie wichtig Sounds für unser Miteinander im Verkehr sind und wie ein guter Sound von Fahrrädern und Pedelecs unseren Verkehr beeinflussen könnte, um ihn angenehmer, sicherer und schöner zu machen.

>> SAVE - Sound und Sicherheit fürs Pedelec (vimeo)

Zentrum der Kompetenz
Weitere Vorträge wie die Vorstellung dramaturgischer Filmvertonung, hörbar gemachte Bewegungen vom einzelnen Regentropfen bis zum Gewitter und die Frage, wie sich ein 3D-Modell einer Stadt anhören könnte, ließen die Forumsteilnehmer in die Welt der Klänge eintauchen.

Aber auch Themen wie Branding und Ästhetik (Christina Eisenschmid, Managing Director psyma Research + Consulting GmbH, München) oder das Schutzrechtsmanagement von Sounds (RA Michael Järkel, corelegal Rechtsanwälte, München) wurden umfassend beleuchtet.

Fazit Olaf Mierau (Postproduktion-Soundsupervisor, postperfect vision & sound, Berlin): "Alles in allem hinterlässt diese Initiative mit ihrer Veranstaltung die Adresse eines umfassenden Kompetenzzentrums, für das industrielle und ganzheitliche Produktsounddesign an Pedelecs und überzeugte schon nach kurzer Zeit auch den letzten zweifelnden Teilnehmer."

Der Gesetzgeber hat die Einführung von akustischen Orientierungshilfen besonders leiser Fahrzeuge für andere Verkehrsteilnehmer in der sogenannten AVAS beschrieben.

>> Akustisches Fahrzeug-Warnsystem AVAS

>> Sound für Pedelecs - Kommentar

Impressionen der Impulsvorträge finden Sie hier:

>> Impressionen (flickr)

Videos vom Motion Composer finden Sie hier:

>> www.motioncomposer.org

Zur Webseite des Innovationsforums Sound & Sicherheit:

>> www.innoforum-save.de

Text: Angela Budde, Hannes Neupert
Fotos: Angela Budde

Datum: 16. Mai 2015

Letzte Aktualisierung: 3. Dezember 2015

 

 

 
 

Termine:

12. bis 15. September 2019, Birmingham, UK, The Cycle Show Birmingham

5. bis 10. November 2019, Mailand, Italien, EICMA

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